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#1 11-05-2009 22:26:09
- jeanmarie
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- Registriert: 02-04-2006
- Beiträge: 21
Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Das Alte Schulhaus hat im Rahmen der Ortsmitteplanung in Puchheim bei vielen Puchheimerinnen und Puchheimern Emotionen geweckt. Die Einen wollen das Haus unbedingt erhalten, die Anderen würden ihm keine Träne nachweinen. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
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#2 25-06-2009 12:59:49
- Carsten
- Mitglied
- Registriert: 23-06-2009
- Beiträge: 7
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Die Gemeinde Puchheim hat sich - Gott sei Dank - seit vielen Jahrzehnten von einem reinen ländlichen Dorf zu einer großstadtnahen, lebendigen Gemeinde weiter entwickelt.
Die Ortsmitteplanung dient dazu, die infrastrukturelle und bauliche Gestaltung für die kommenden Jahrzehnte zu skizzieren. Das Zentrum Puchheims wird durch das Verkehrskreuz Schnellbahn + Nord-Süd-Straßenzug (Allinger, Bahnhof- + Lochhauser Straße) charakterisiert. Dort sollten auch die wichtigsten öffentlichen und privaten Einrichtungen konzentriert werden.
Die angedachte "Perlenkette" mit ihren Baumreihen ergibt zusammen mit den platzartigen Erweiterungen beidseits der Bahn (hier kann noch ettliches zur visuellen Behebung der Barrierewirkung getan werden) langfristig einen durchaus angenehmen Blick- und Erlebnisbereich. Und für die gewerblichen Kritiker sei von einem Fachmann gesagt: Je angenehmer dieses Umfeld gestaltet wird, desto höher wird dort auch die Kauffrequenz sein!
Der Stolz einer Bürgergemeinde war jahrhundertelang immer auch (neben einem prachtvollen Gotteshaus) die Gestaltung eines repräsentativen Rathauses auf dem zentralen Platz der Gemeinde. Diese Bürgertradition ist erhaltenswürdig.
Das neue Rathaus sollte der soziale, kulturelle und öffentliche Mittelpunkt einer selbstbewussten, dynamischen und nach vorne blickenden Gemeinde sein. Dessen Stil wird durch eine offene, demokratische und solidarische Gesellschaft vorgegeben. Als Vorbild, an dem sich das Neue Rathaus orientieren könnte, sei hier mal das PUC genannt.
Der derzeitige zentrale Platz Puchheims ist durch ein Sammelsurium mehr oder weniger gekonnter Architektur gekennzeichnet. Vergangene Generationen von Gemeindevätern haben es leider versäumt, gestalterische Planungsvorgaben zu definieren.
Das gesamte Ensemble mit rund 10 verschiedenen Baustilen dreier Bauepochen ähnelt nun eher einem etwas zu groß geratenen "Legoland". Ob das in seiner Gesamtheit wirklich dauerhaft erhaltenswert ist, erscheint mehr als fraglich. Erhaltenswert kann doch allenfalls nur das sein, was sonst in seiner Einzigartigkeit verloren gehen würde.
Das sogenannte Alte Schulhaus repräsentiert den Baustil einer eher vordemokratischen Gesellschaft mit dem Hang zum Untertanenstaat und läßt sich locker in die damals aufkommende "Blut-und-Boden-Romantik" eingliedern. Die angeblichen (und jetzt hineingeheimnisten) Art-Deco-Elemente haben ohne Beschädigung den sonst überall wütenden Bildersturm der Nazi-Zeit überdauert!!! Einfach deshalb, weil der Architekt dieser Schule, der spätere Nazi-Bürgermeister von Puchheim und seine Kumpane, diese gar nicht bemerkten.
Jede Politische Epoche hat auch seinen Baustil. Das Alte Schulhaus steht dabei für eine Stilrichtung, die von den 20er-Jahren bis weit in die 50er-Jahren massenhaft gebaut wurde. Wer mit offenen Blick durch die westoberbayerischen Dörfer fährt, wird diesen Baustil immer wieder antreffen. Die Einzigartigkeit fehlt daher völlig!
Es ist schwer vorstellbar, dass die vordemokratischen Stilstrukturen der Alten Schule in einen repräsentativen Bau einer demokratischen, offenen und solidarischen Gesellschaft integriert werden müssten. Ganz abgesehen davon , dass die Kosten (des Erhalts und der baulichen Einbeziehung) für diese mehr als fragwürdige, geschichtslose Nostalgiepflege erheblich höher ausfallen würden, wie die der Neukonzeption im Rahmen des Neuen Rathauses.
Beitrag geändert von Carsten (25-06-2009 13:21:45)
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#3 19-07-2009 11:10:23
- Johannes Haslauer
- Mitglied
- Registriert: 19-07-2009
- Beiträge: 4
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Beitrag von Johannes Haslauer, Sprecher der "Freunde des Alten Schulhauses Puchheim-Bahnhof"
Danke für diesen anregenden Beitrag. Um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, müssen einige Aussagen richtiggestellt werden. Da auf unserer Infoveranstaltung im März nur sehr wenige Vertreter der SPD anwesend waren (siehe SZ vom 13.3.2009), erlaube ich mir ausführlichere Bemerkungen.
Die Aussage, Puchheim habe sich vom "reinen ländlichen Dorf zu einer großstadtnahen, lebendigen Gemeinde weiter entwickelt" hinkt durchwegs. Denn auch das "alte" Puchheim war stadtnah, quicklebendig und als Gemeinde verfasst. Richtig ist, dass sich der Charakter der Gemeinde seit Ende des 19. Jahrhunderts verändert hat. Was hier entstand, bezeichnen Geographen als "Zwischenstadt": eine Siedlung, die Stadt und Land miteinander verbindet aber selbst weder Dorf noch Stadt ist. Die Zwischenstadt war das florierende Siedlungsmodell des 20. Jahrhunderts. Deshalb war Puchheim in dieser Zeit besonders erfolgreich. Das Alte Schulhaus entstammt genau jener Erfolgsepoche. Die Architekten fanden in Form der sog. konservativen Baumoderne den Stil, der dieser Befindlichkeit Ausdruck verlieh.
Den frühen Bahnhoflern waren neben ihrem Bahnhof drei Dinge im Ortskern wichtig: Kirche, Schulhaus und Bahnhofsrestaurant. Die Aussage, dass der Stolz einer Bürgergemeinde auch immer ein repräsentatives Rathaus am zentralen Platz gewesen sei, gilt nur für Städte (und Märkte), zumindest in unserer Region. Also nicht für Puchheim. Als nach dem 2. Weltkrieg die Gemeindekanzlei aus dem Dorf in die Siedlung verlegt wurde, fand sie aber genau im Schulhaus ihre erste Bleibe. Es war damit Kristallisationspunkt des bürgerlichen Stolzes. Später wurde um das alte Zentrum einfach ein zweiter Ring gelegt (Poststraße), wo das verselbständigte Rathaus seinen Platz fand. Geballte Zentralität ist in einer überzeugenden stadträumlichen Grundanordnung also bereits vorhanden. Wir müssen nur etwas draus machen.
Das Schulhaus ist mit einzigartiger lokalgeschichtlicher Bedeutung für Puchheim aufgeladen. Es ist eines der wenigen erhaltenen Heimatstilhäuser in Puchheim. Es gleicht in der Tat vielen anderen Bauten dieser Epoche im Land. Aber wer würde schon alle kleineren Barockkirchen abreissen wollen, nur weil in beinahe jedem oberbayerischen Dorf eine herumsteht?
Wer am Grünen Markt ein "Sammelsurium mehr oder weniger gekonnter Architektur" (Carsten) erkennt, sollte sich die Mühe machen und die Analyse einen Schritt weiter treiben. Denn die Kombination verschiedener Baustile ist im Grundsatz kein Manko. Der alte Puchheimer Ortskern am Grünen Markt stellt - auch in seiner heutigen Form - eine Gruppe von Gebäuden dar, die stimmig aufeinander bezogen sind. Städtebauliche Maßstäblichkeit ist gewahrt. Aus der Ursprungszeit ist das Alte Schulhaus erhalten, abgesehen von reversiblen Veränderungen an der Fassade ein stimmig überlieferter Bau des ausgehenden Heimatstils. Das Problem liegt woanders: in der äußerst mangelhaften Gestaltung des Platzes selbst und in seiner relativ geringen funktionalen Anziehungskraft (v.a. wegen Fehlen von "Bleibefaktoren" wie Gastronomie). Ein Neubau anstelle des Schulhauses würde im übrigen lediglich einen Stil austauschen, die Zahl der Stile aber nicht vermindern.
Nun meint Carsten, das Alte Schulhaus verkörpere den Baustil einer "eher vordemokratischen Gesellschaft mit dem Hang zum Untertanenstaat". Diese Charakterisierung beschreibt die Erbauungszeit nicht zutreffend. Die Weimarer Republik (1919-33) war ein erstes demokratisches Experiment nach Jahrhunderten geburtsständischer Herrschaft, maßgeblich geprägt im übrigen von Sozialdemokraten. Die Tradition unser Bundesrepublik ruht erfolgreich auf den Erfahrungen von Weimar. Als das Schulhaus von der Gemeinde in Auftrag gegeben wurde (1928/29), war in Puchheim Klement Koch Bürgermeister. Er amtierte bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und wurde 1945 von den Amerikanern wieder eingesetzt, verbindet also die beiden Demokratien miteinander. Leider wissen wir bislang sehr wenig über die politische Geschichte Puchheims in dieser Zeit. Sicher ist, dass die Siedlung in den zwanziger Jahren eine SPD-Hochburg war. SPD und KPD waren in Puchheim-Bahnhof sogar 1933 noch stärker als die NSDAP.
Inwiefern sich das Schulhaus in die "Blut-und-Boden-Romantik" einordnen lassen soll, bleibt Carstens Geheimnis. Der Heimatstil jedenfalls hat seine Wurzeln zeitlich vor der Wende zum 20. Jahrhundert und ist eine europaweite, baugeschichtliche Reformbewegung auf die großen gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit. Renommierte und bis heute geschätzte Architekten (z.B. Gabriel von Seidl) wandten ihn an. Typisch ist eine schlichte, aber deutlich landschaftsgebundene Formensprache, die wohlüberlegt und durchdacht verwendet wurde. Immer war der Heimatstil offen für Einflüsse historisierender Art, später auch für das Neue Bauen. Beides macht sich am Schulhaus bemerkbar.
Die Art-Déco-Bewegung beeinflusste in Puchheim die Gestaltung der Türeinsätze und des Portals (das ist also nicht "hineingeheimnist"!). Dass der Architekt und spätere NS-Bürgermeister Josef Steindl derartige Schmuckelemente aufgriff, zeigt, dass es mit Schwarzweißmalerei nicht getan ist. Leider wissen wir auch über Steindl sehr wenig. Nur intensivere historische Forschungen könnten Abhilfe schaffen.
Auch die Schulhausfreunde wünschen sich einen sozialen und kulturellen Mittelpunkt für Puchheim als "selbstbewusste, dynamische und nach vorne blickende Gemeinde". Ob ein neues Rathaus als Sitz der Verwaltung diese Anforderungen erfüllen kann, ist zu diskutieren. Die Notwendigkeit einer Rathaus-Vergrößerung rechtfertigt nicht den Abriss eines erhaltenswerten historischen Gebäudes.
Die Freunde des Alten Schulhauses sind nicht für "geschichtslose Nostalgiepflege" zu haben. Sie stehen für eine sinnvolle Weiternutzung des baulichen Erbes und eine funktionale Ergänzung mit angemessener, zeitgemäßer Architektur. Die Bewahrung des baulichen Erbes ist eine generationenübergreifende Solidaritätsleistung, die unseren Nachkommen die kritische Verankerung in der eigenen Herkunft ermöglicht. Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und erfolgreich Zukunft gestalten. Fragwürdige Geschichtslosigkeit ist wohl eher bei jenen zu suchen, die sich so vehement für den Abriss einsetzen.
Alles spricht dafür, in einer demokratischen, zukunftsorientierten, solidarischen und nachhaltig denkenden Gesellschaft das Alte Schulhaus als lokalgeschichtlich, baukulturell und städtebaulich bedeutsames Kulturerebe zu erhalten und in die umzugestaltende Ortsmitte zu integrieren. Die Investition in das historische Gebäude wird sich lohnen. Es ist der gesunde Eckzahn, an dem man jede Brücke bedenkenlos aufhängen könnte, wie es die Architektin und Kreisheimatpflegerin Susanne Poller treffend formuliert hat (SZ vom 13.3.2009).
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#4 04-08-2009 15:19:09
- Carsten
- Mitglied
- Registriert: 23-06-2009
- Beiträge: 7
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Eine notwendige Antwort an die Freunde des Alten Schulhauses
A) Für mich steht außer Frage, dass Puchheim ein neues Bürger- und Rathaus benötigt. Dieses sollte in einem zeitgemäßen Stil errichtet werden. Das PUC ist hierbei ein bauliches Beispiel, an das wir uns orientieren können.
Ein derartiges neues Gebäude sollte der soziale, kulturelle und öffentliche Mittelpunkt einer selbstbewussten, dynamischen und nach vorne blickenden Gemeinde sein.
B) Der Vereinssprecher und Initiator der Freunde des Alten Schulhauses, Johannes Haslauer, reduziert jedoch das Rathausvorhaben auf ein reines, vergrößertes Verwaltungsgebäude und hält diese kommunale Bauabsicht (in seiner von ihm verkürzten Form) für fragwürdig. Gleichzeitig wittert er hinter diesem Vorhaben den (alternativlosen) Abriss eines in seinen Augen historisch wertvollen Bauwerkes.
Seine Konsequenz: Alles soll so bleiben, wie es schon immer war.
Und dass das Alte Schulhaus so wenig wahrgenommen würde, läge an der Platzgestaltung und an dem Fehlen von Bleibefaktoren: Eine Gastronomie wäre zur Abhilfe wohl geeignet.
Wenn wir in Puchheim ein Mangel an Gastronomischen Einrichtungen hätten, hätte dieser Vorschlag durchaus seinen Reiz – nur, allein in fußläufiger Entfernung sind in wenigen Metern schon 4 eingeführte Gaststätten vorhanden (Ganz abgesehen davon, dass 50 % der gastronomischen Neugründungen binnen eines Jahres wieder vom Markt verschwunden sind).
Amüsant ist sein Argument bezüglich der Bleibefaktoren auch deshalb, weil genau dort auf dem Grünen Markt Wochenende für Wochenende Märkte veranstaltet werden. Ganz zu schweigen von den Besuchern der Kirche (stand da nicht mal ein historisiertes Gotteshaus, Herr Hauslauer?), des JuZ und der VHS. Der Platz zieht also durchaus Menschen an. Oder liegt es gar an den Bäumen und an den Büschen?
C) Für mich stellt sich vielmehr die Frage, ob an diesem Platz der kommunale Grundbesitz ausreichend genug ist, um ein neues Rat- und Bürgerhaus aufzunehmen. Und wenn ja, was passiert dann mit dem alten Schulhaus?
Wäre es nicht denkbar, diese Gebäude an einen anderen Standort in der Nähe zu transferieren und überlässt dieses Anwesen den Freunden des besagten Vereins zur Bewirtschaftung? Technisch möglich und Spender für den Umzug gibt es sicher genügend.
Jedenfalls: Ob nun aber ein historisches Gebäude (Altes Schulhaus), das für einen völlig anderen Zweck errichtet wurde, aus Nostalgiegründen in ein neues zeitgemäßes Gebäude architektonisch integriert werden soll, bezweifle ich erheblich.
Das Alte Schulhaus als „Gesunden Eckzahn“, an dem man jede Brücke bedenkenlos anhängen könnte, zu bezeichnen (wie es Herr Haslauer tut), wäre ja aus der Sicht eines Dentisten nur möglich, wenn dieser Eckzahn überkront werden würde und noch ein weiterer zu überkronender Eckzahn als Widerlager gefunden würde. Was soll denn da als historisch Bewahrenswertes letztlich rauskommen?
D) Ich bestreite keineswegs, dass das alte Schulhaus einen konservativen Baustil dokumentiert (Der von Herrn Hauslauer verwendete Begriff der so genannten „konservativen Baumoderne“ ist ein begrifflicher Widerspruch, der versucht, Gegensätze unter einen Hut zu bringen). Ob man diesen Stil undifferenziert als „Heimatstil“ bezeichnen soll, erscheint mir doch als sehr verallgemeinernd, wenn nicht sogar als verniedlichend.
Ich bestreite auch des Weiteren nicht, dass der „Heimatstil“ durchaus auch Einfluss auf die Ideengeschichte des „Neuen Bauens“ hatte. Allerdings wurde dieser „Heimatstil“ während der Nazizeit auch als Ideenspender für die Bauten im Sinne der Blut-und-Boden-Romantik verformt und erfolgreich genutzt. Deren bauliche Scheußlichkeiten können wir heute noch, zumindest in Oberbayern, in vielen Garnisonstädten besichtigen.
E) Baustile fallen nicht vom Himmel, sondern werden wie alle menschlichen Werke aus der Erfahrung und dem Erleben des zeitlich Vorangegangenen geschaffen. Das was gebaut wird, wurde in der Vergangenheit erdacht und allenfalls im Marginalen verändert. Dem Hauslauerschen Heimatstil geht’s da nicht anders.
Zum Zeitpunkt der Konzipierung des Schulhauses konnte der Architekt dem Gemeinderat einen Entwurf präsentieren, dessen Ideengeschichte in der Tat in der vordemokratischen Zeit wurzelt (Das Königreich und das Kaiserreich waren eindeutig Untertanenstaaten: Die Weimarer Republik starb schließlich am Mangel an Demokraten). Ein Schulgebäude nach den Gestaltungsregeln des Bauhauses oder des Neuen Bauens war jedenfalls vom Architekten vermieden worden und von den Gemeindevätern auch nicht gewollt.
Den Gemeindevätern wurde also Bekanntes und „Bewährtes“ vorgelegt – von Experimenten hielt man nach der Räterepublik ohnehin nicht viel – und schließlich sollte lediglich ein Schulhaus gebaut werden, das in die Landschaft passte und den Gemeindehaushalt nicht zu sehr strapazierte. Herausgekommen ist ein Funktionalbau im Heimatstil.
F) Ich darf zum Abschluss noch zwei Aussagen darstellen:
Von mir: „ Die Gemeinde Puchheim hat sich - Gott sei Dank - seit vielen Jahrzehnten von einem reinen ländlichen Dorf zu einer großstadtnahen, lebendigen Gemeinde weiter entwickelt…. „
Und die Antwort von Herrn Haslauer darauf: „Die Aussage, Puchheim habe sich vom "reinen ländlichen Dorf zu einer großstadtnahen, lebendigen Gemeinde weiter entwickelt" hinkt durchwegs. Denn auch das "alte" Puchheim war stadtnah, quicklebendig und als Gemeinde verfasst. Richtig ist, dass sich der Charakter der Gemeinde seit Ende des 19. Jahrhunderts verändert hat. Was hier entstand, bezeichnen Geographen als "Zwischenstadt" … „
Tja: Kinder können sich bekannterweise gar nicht so ohne weiteres vorstellen, dass Erwachsene auch mal klein waren. Und so ist das auch mit Puchheim. Sehen wir uns also einige Textesquellen näher an:
Ich darf zitieren: „Im Rahmen der administrativen Neugliederung des neu geschaffenen Königreiches Bayern wurde Puchheim 1808 dem Steuerdistrikt Germering zugeschlagen. Mit einer eigenen Pfarrei und rund 250 Einwohnern erfüllt der Ort die Voraussetzungen … von 1818 als Ruralgemeinde geführt zu werden.“
(WAHRIG 2006: „Rural: veraltet: ländlich, bäuerlich“)
Und des Weiteren: „ Das Gebiet des heutigen Puchheim Bahnhof war über die Jahrhunderte ein landwirtschaftlich kaum genutztes Niedermoor… Erst ab 1840 wurde das Moor …für den Torfstich genutzt. In den 1870-er Jahren begannen die umliegenden Bauern … zu kultivieren. Gleichzeitig entstanden die ersten ständigen Niederlassungen durch so genannte Kolonisten“ (Beide Textstellen aus Wikipedia: Puchheim).
Und selbst die so genannte Stadtnähe wirkte sich marginal erst nach der Errichtung einer Haltestelle 1896 aus (die Bahn gab es schon seit 1870). Vorher war Puchheim allenfalls ein Rastplatz für Kutscher, die zwischen München und Augsburg „pendelten“. München endet erinnerlich damals auch noch im Westend (das westliche Ende von München).
Erst mit der Errichtung des Bahnhofes (1900) und der Müllverwertung (1898) begann die schnellere Entwicklung zu einer stadtnahen Gemeinde. Die Entwicklungsdynamik kummulierte mit der Einrichtung der S-Bahn in den 1960-er Jahren und seit dem kann man auch korrekterweise erst von einer Zwischenstadt sprechen.
Und diese Zwischenstadt sollten wir fördern und entwickeln.
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#5 07-08-2009 22:55:44
- Johannes Haslauer
- Mitglied
- Registriert: 19-07-2009
- Beiträge: 4
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Dass wir Schulhausfreunde den Bau eines neuen Rathauses von Haus aus für fragwürdig halten würden, entspricht nicht den Tatsachen. Aber: Selbst wenn ein größeres Rathaus nötig sein sollte, rechtfertigt das nicht den Abriss eines erhaltenswerten historischen Gebäudes. Schon gar nicht, wenn es um eines unserer letzten, im Ortskern erhaltenen historischen Gebäude geht. Die verschiedenen Güter sind gegeneinander abzuwägen. Klar ist, dass die Bayerische Verfassung (Art. 3 und 141) dem Schutz der kulturellen Überlieferung, der gewachsenen Ortsbilder und der geschichtlichen Zeugnisse Verfassungsrang zumisst. Sicherlich aus gutem Grund. Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Erinnerung, die wesentlich an historischen Gebäuden hängt (siehe die europaweit als vorbildlich gelobten „Leitsätze zur Denkmalpflege“ der Schweiz, 2007, http://www.vdf.ethz.ch/vdf.asp?showArtDetail=3089).
Im Kern geht es um eine sehr einfache Frage: Welche Art von Ortsmitte wollen wir Puchheimer haben? Wie muss sie aussehen, damit sie zu einem lebendigen Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität wird?
Diese Frage stand übrigens auch am Beginn der gemeindlichen Ortsmittenplanung (siehe z.B. Gemeinderatsworkshop 2003). SPD-Gemeinderat Dr. Christoph Maier sagte 2001 selbst, es gehe „in keiner Weise um gigantomane Planungen“, sondern Vorandenes müsse ergänzt und aufgewertet werden (Kreisbote FFB vom 31.12.2001). Eine vernünftige Einstellung, die den Grundprinzipien des modernen Städtebaus entspricht. Wir Schulhausfreunde hoffen sehr, dass hier nicht die Politikerdevise gilt „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“. Die Disskussion um ein neues Rathaus ist übrigens eher ein Nebenprodukt, das vom Rand her in die Debatte kam.
Wir Schulhausfreunde stehen für den Erhalt und die sinnvolle Weiternutzung des lokalgeschichtlichen und baukulturellen Erbes in unserem gewachsenen Ortszentrum. Wir sind NICHT für den Stillstand, wie uns Carsten unterstellt. Eine angemessene Ergänzung mit Gebäuden ist aus unserer Sicht wünschenswert, wenn damit die Lebendigkeit des Platzes verbessert werden kann. Die Neugestaltung des Platzes befürworten wir ohne Einschränkung. Wir vertreten das Prinzip der sensiblen Weiterentwicklung. Wogegen wir sind, ist eine Neugestaltung ohne Rücksicht auf den Bestand, eine Radikallösung.
Zudem sind ein Bürgerhaus und ein Rathaus immer noch zwei paar Stiefel. Das eine ist ein gesellschaftlicher Treffpunkt und Ort von Kommunikation, Kultur und Bildung, das andere ein Verwaltungssitz. Es gibt keinen zwingenden Grund, sie in einem gemeinsamen Komplex unterzubringen. Für Carsten steht die Notwendigkeit der Kombination dagegen „außer Frage“, wenn ich ihn richtig verstehe. Gründe dafür nennt er leider nicht.
Die momentanen Grundstücksverhältnisse sind ein wichtiger Faktor in den Planungen, dürfen aber nicht über Wohl und Wehe unserer Ortsmitte entscheiden. Eventuell nötige Grundstückstäusche und –käufe sind auch im Rahmen kommunaler Planungen absolut üblich. Diese Möglichkeit sollte ins Auge gefasst werden, um eine optimale Lösung im Interesse der Allgemeinheit zu erreichen.
Positive Beispiele für das, was Carsten so bezweifelt, gibt es landauf landab zuhauf: historische Gebäude, die erfolgreich für neue Zwecke umgenutzt wurden, und/oder die mit modernen Erweiterungsbauten versehen wurden. Bezeichnenderweise hat sich sogar die Bayerische Architektenkammer selbst bei Ihrem eigenen Sitz für dieses Konzept entschieden, und zwar unter Einbeziehung eines alten Heimatstilbaus! (http://www.byak.de/; rechts Geschäftsstelle, links Seminarhaus).
Es freut uns, dass sich Carsten so ausführliche Gedanken über die Interpretation des Hauses und seine Entstehung macht. All diese Diskussionen zeigen, wie sehr das Haus mit Geschichte aufgeladen ist. Das bestätigt seine Erhaltenswürdigkeit aufgrund der lokalgeschichtlichen Bedeutung. In der Tat ist es eine interessante Beobachtung, dass sich die Verantwortlichen damals (wie in vielen anderen vergleichbaren Orten auch) nicht für eine Lösung im Stil des Neuen Bauens entschieden, sondern für das Konzept eines Heimatstilhauses unter Einfluss neuerer Tendenzen.
Die Analyse, dass es sich um einen „Funktionalbau im Heimatstil“ handelt, können wir Schulhausfreunde sachlich absolut mittragen. Nur: Was ist aus heutiger Sicht schlimm daran, dass der Heimtsil in der Zeit des Kaiserreichs bzw. Königreichs entstand (zur Geschichte dieses Baustils siehe mein voriger Beitrag)? Keiner würde eine gotische Kirche abreissen, nur weil sie in dem von Fürstenherrschaft und Feudalgesellschaft geprägten Mittelalter gebaut wurde! Oder: wer fordert den Abriss des Bundestags in Berlin, nur weil das Gebäude in der Hochphase des wilhelminischen Kaiserreichs entstand?
In der Tat versucht der Begriff „konsvervative Baumoderne“ Widersprüche unter einen Hut zu bekommen. Und zwar genau die Widersprüche, die in der damaligen Zeit vorhanden waren und die sich in der Architektur widerspiegeln („Janusköpfigkeit der Moderne“). Mit Schwarz-Weiß-Malerei ist die Realität nicht zutreffend beschrieben. Tradition und Moderne rangen miteinander um eine offene Frage: soll eine Richtung die Vormacht übernehmen oder ist es möglich, die widerstreitenden Prinzipien symbiotisch zu vereinigen? Diese Widersprüche machen die Sache gerade so spannend (und zugebenermaßen nicht einfacher). Im übrigen gehen Historiker wie der Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald heute davon aus, dass die Bauhaus-Moderne durchaus „diktaturfähig“ gewesen wäre, wie etwa ein Blick ins faschistische Italien und das Verhalten verschiedener Bauhaus-Vertreter zeigt (http://www.n-tv.de/panorama/kultur/Bauh … 37546.html).
Der Begriff des „Heimatstils“ hat sich in der Architekturgeschichte inzwischen eingebürgert. Wenn Carsten einen allgemein akzepierten neuen und passenderen Begriff vorschlagen kann: gerne! Den Epochenbegriff „Hauslauerscher Heimatstil“ muss ich als Sprecher der Schulhausfreunde jedenfalls als Anmaßung weit von mir weisen.
Richtig ist, dass auch nationalsozialistische Architekten sich des Heimatstils bedient haben (wie im übrigen auch beispielsweise des Klassizismus). Auch diese Bauten sind als äußerst lehrreiche Zeitzeugnisse erhaltenswert und stehen inzwischen meist unter Denkmalschutz. Es gibt eine Menge an Bauten aus dem Dritten Reich, die heute bewusst durch die demokratische Gesellschaft weitergenutzt werden (etwa Haus der Kunst in München, Musikhochschule in München, Landwirtschaftsministerium in München, Beamtenfachschule in Herrsching usw.). Sie sind ein Teil unserer Geschichte, die man nicht einfach mit Schlussstrichmentalität beseitigen sollte. Unsere moderne, demokratische Gesellschaft ist nicht zuletzt wegen der Erfahrungen aus dem Dritten Reich heute so erfreulich stabil (keine Selbstverständlichkeit, wenn man in die Geschichte blickt!). Der amerikanische Philosoph George de Santayana (1863-1952) hat es treffend formuliert: „Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnern kann, ist verdammt, sie zu wiederholen.“
Auch unser Schulhaus ist nicht losgelöst von der Geschichte des Ortes zwischen 1933 und 1945 zu betrachten. So wurden 1933 die Räume im Keller der örtlichen Hitlerjugend zur Verfügung gestellt, wie wir bereits bei unserem Infoabend am 11. März berichtet haben. Das erhöht den Erinnerungswert des Hauses und dient zugleich als Mahnung an Frieden, Freiheit und Demokratie.
Einige Worte zu den vermeintlichen Korrekturen von Carsten an der Puchheimer Ortsgeschichte. Leider ist in Wikipedia die Ortsgeschichte äußerst unvollständig dargestellt. Die unselbständige Zuordnung Puchheims zu Germering bestand nämlich ausschließlich zwischen 1808 und 1818, in der Phase der Neuordnung der bayerischen Gemeinden. Vorher und nachher war Puchheim als Gemeinde selbständig. Sie existierte spätestens seit dem frühen 17. Jahrhundert (siehe z.B. Bayer. Hauptstaatsarchiv, Fürstenfeld Urkunden 1614 V 5).
In der Tat war für das Dorf die Stadtnähe von geringerer Bedeutung als für die Siedlung. Gerade für die Siedlung war diese aber seit der Jahrhundertwende der alles entscheidende Wachstumsfaktor. Schon die Hausmüllverwertungsanlage siedelte sich 1898 genau aus diesem Grund hier an und brachte einen Schub für den Ausbau der Siedlung. Auf dieser Grundlage erst konnte sich hier die Infrastruktur entwickeln. Die Firma stellte kostenfrei den Grund zum Bau von Schule und Kirche zur Verfügung. Richtig ist zweifelsohne, dass in den 1960er Jahren eine ungeahnte Dynamik einsetzte, die vor allem bis in die frühen 1970er Jahre das Bild der Siedlung stark veränderte. Dennoch: schon die alte 20er Jahre-Siedlung Puchheim-Bahnhof war kein ländliches Bauerndorf. Sie hatte einen ganz eigenen Charakter, dessen wir uns bewusst sein sollten, weil er Identität stiftet. Puchheim-Bahnhof ist etwas Besonderes: ein Ort mit unverwechselbarer, einmaliger Geschichte.
Da es nicht nur um das Haus als solches, sondern auch um die Gestalt unserer Mitte geht, dürfte klar sein, dass der (wohl kaum ernst gemeinte) Vorschlag der Übertragung an einen anderen Standort völlig an der Problematik vorbeigeht. Er ist ungefähr so absurd, als wenn wir Schulhausfreunde vorschlagen würden, dass die Parteien, die sich im Gemeinderat für die Neulösung engagieren, diese auf eigene Kosten am Ortsrand realisieren sollten. Diesen derben Spass möchten wir in dieser wichtigen Frage aber niemandem zumuten.
Die Argumente bezüglich Wochenmärkten, Gastronomie etc. berühren ebensowenig die Kernfrage (auch die Mehrheitsfraktionen liebäugeln mit Gastronomie am Platz). Klar ist: unser Zentrum muss für möglichst viele Menschen möglichst attraktiv sein, muss Flair und Aufenthaltsqualität besitzen. Das sollten wir in gemeinsamer Anstrengung hinkriegen. Der Schlüssel dafür ist bereits vorhanden und dazu gehört unser Altes Schulhaus. Kehren wir gemeinsam die Stärken unserer liebenswerten Zwischenstadt hervor! Wir freuen uns auf einen konstruktiven Dialog und auf eine Mitte der Bürger.
Johannes Haslauer, Sprecher der „Freunde des Alten Schulhauses Puchheim-Bahnhof“
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#6 10-08-2009 17:52:27
- Carsten
- Mitglied
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- Beiträge: 7
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Einige wenige Bemerkungen zum Thema Neues Rathaus
Puchheim benötigt ein neues Rathaus. Dies sollte an zentraler Stelle, also in der Nähe der Bahnunterführung, errichtet werden. Die Gemeinde besitzt an der Stelle des Alten Schulhauses Grund und Boden, der als Standort in Erwägung zu ziehen ist.
Dieses Rathaus soll sowohl kommunikativer, sozialer und kultureller Mittelpunkt sein. Daher wäre es gut, wenn die alte Tradition wieder belebt werden könnte, ein Rats- und Bürgerhaus für alle Bürger zu errichten. Das wird durch die Kombination von Bürgerhaus und Ratsverwaltung erreicht. Ich bleibe dabei, dass dieses Vorhaben in einer uns zeitgemäßen Form errichtet werden soll. Nostalgische Reminiszenzen wären tunlichst zu vermieden.
Aus der Sicht der Gegner des Neuen Rathauses ist es verständlich, dass ein reiner Verwaltungsbau leichter zu bekämpfen ist, als das von mir ein bevorzugtes Rats- und Bürgerhaus. Deshalb wird diese Kombination auch abgelehnt (oder täusche ich mich da)?
Zu beurteilen ist vor allem, ob die kommunale Fläche am Grünen Markt ausreichend groß ist, um das neue Bauobjekt unterzubringen. Erst wenn diese Frage positiv geklärt ist, muss über die Zukunft des Alten Schulhauses entschieden werden.
Dann ist zu klären, ob das Alte Schulhaus in das neue Objekt integriert werden kann.
Leider hat von den 5 Modellen (Siehe Rathaus-Ausstellung) nur ein einziges das Schulhaus in den Komplex integriert. Dieser Vorschlag orientiert sich in seiner Baugestaltung an das Gemeindezentrum der Kirchengemeinde St. Josef. Dieses Modell zeigt aber auch, dass die Integration zumindest in diesem Entwurf nicht funktioniert. Das alte Schulhaus wirkt in diesem Modell wie ein Fremdkörper.
Bei den anderen 4 Modellen könnte man sich eine bauliche Integration nur mit viel Phantasie vorstellen (Wohlgemerkt, wir müssen erst die Ergebnisse eines möglichen, offiziell ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs abwarten).
Erst wenn diese Integration ausgeschlossen wäre, stünde das weitere Schicksal des Alten Schulhauses auf dem Plan. Die Freunde des Alten Schulhauses sehen da ausschließlich nur den Abriss, den sie unter allen Konsequenzen vermeiden wollen (Ich nehme die unterschwellig angedeutete Warnung mit einer Blockade durch eine verfassungsgemäße Prüfung sehr ernst).
Mein sehr wohl ernst gemeinter Vorschlag ist es jedoch, den Transfer des Gebäudes zu einer geeigneten Fläche (technisch und kostenmäßig) zu prüfen.
Dies zieht je nach technischem Vorgehen, die Demontage von Teilen des Gebäudes (Dach, Fenster, Türen, nicht tragende Wände) und den Transport der Bauhülle auf einer Lafette, bzw. die Zerlegung der Bauhülle in transportable Mauerteile (Methode Glentleiten) an den neuen Standort (Bauplatte vorausgesetzt) nach sich. An diesem neuen Standort wird das Alte Schulhaus mit den alten Baumaterialien wieder zusammengestellt und möglicherweise einer weiteren (musealen) Nutzung zugeführt.
Was in Ostdeutschland in den Tagebaurevieren über mehrere Kilometer möglich ist (z.B. mit historischen Kirchen), sollte in Puchheim unmöglich sein? Das einzige, was diesen Vorschlag verhindern könnte, wäre, dass den Puchheimern der finanzielle Aufwand dafür zu hoch und der Nutzen daraus zu gering wäre.
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#7 14-08-2009 09:28:07
- Johannes Haslauer
- Mitglied
- Registriert: 19-07-2009
- Beiträge: 4
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Es freut uns Schulhausfreunde, dass Carsten inzwischen unser Anliegen als ernstzunehmend anerkennt und auch signalisiert, dass er eine Prüfung für angemessen hält, wie sich das Schulhaus bei der Neugestaltung der Ortsmitte einbinden ließe.
Und doch sind wir uns noch uneins. Für Carsten scheint die Frage der Nutzung der Ortsmitte absolut vorrangig zu sein – egal, wie die Ortsmitte dann aussieht. Wir dagegen setzen uns dafür ein, dass von Anfang an die Nutzung, die städtebauliche Qualität und der Erhalt des wertvollen baukulturellen Erbes in einen überzeugenden Einklang gebracht werden.
Unser bauliches Kulturerbe ist wichtiger Identitätsfaktor und Teil der hohen Lebensqualität am Ort. Wir wollen keine Ortsmitte aus der Retorte, sondern ein sorgsam ergänztes, attraktives und gewachsenes Ortszentrum mit Aufenthaltsqualität, Flair und hohem Nutzwert. Das ist möglich, wenn man will.
Wenn man das will, darf man sich allerdings nicht allzusehr an der (im Prinzip ja nicht verwerflichen Idee) Idee eines kombinierten „Bürger- und Rathauses“ festbeissen, das ein immenses Bauvolumen zur Folge hat. Alle fünf Modelle, die im Rathaus ausgestellt sind, sprengen die städtebauliche Maßstäblichkeit des Grünen Marktes. Praktisch alle Objekte sind deutlich größer (manche auch höher) als die jetzt schon von vielen als Fremdkörper empfundene Pfarrkirche von 1965/66.
Bauvorhaben – welcher Art auch immer – dürfen nach all unseren städtebaulichen Erfahrungen nicht dazu führen, dass wir eines der letzten historischen Gebäude in unserem alten Ortszentrum wegreissen, das noch dazu mit der übrigen Bebauung eine städtebauliche Einheit bildet. Auch aktuelle Handbücher zur Stadtplanung betonen, dass das baulich-kulturelle Erbe immer wichtiger wird (z.B. Prof. Bernd Streich, TU Kaiserslautern, „Stadtplanung in der Wissensgesellschaft“, 2005).
Immer noch findet man im Zusammenhang mit der angeblichen Notwendigkeit zum Bau eines kombinierten Bürger- und Rathauses und zu dessen Standort bei Carsten nicht ausreichend begründete Aussagen (die sich möglicherweise gar nicht ausreichend begründen lassen). Vielleicht kann man die offenen Fragen bei Gelegenheit im Gemeinderat erörtern, wir geben sie gerne weiter.
Wir bleiben dabei: Puchheim braucht eine Mitte der Herzen – eine Mitte, die emotional und funktional ihren Zweck erfüllt. Carsten nennt das abschätzig „nostalgische Reminiszenzen“. Tatsache ist: Der Bezug zur Vergangenheit (ohne Einschränkungen) ist wichtiger Teil unserer modernen, demokratischen Gesellschaft und zwar aus gutem Grund. Er ist daher auch in der Verfassung festgeschrieben. Ich persönlich bin „fast“ gebürtiger Puchheimer – ich fühle mich dem Ort und seiner ganz individuellen Geschichte verbunden, mit allen Ecken und Kanten. Und sehr viele Puchheimer denken und fühlen ebenso. Niemand, vermutlich auch nicht Carsten, meidet historische Altstädte wegen einer zu befürchtenden emotionalen Gefährdung. Ganz im Gegenteil.
Carstens Vergleich der offiziellen Ortsmittenplanung mit einem anrollenden Kohletagebau, der wüste Flächen hinterlässt und die Umsetzung historischer Gebäude nötig macht, scheint mir doch eher entlarvend als weiterführend zu sein. Der Vorschlag einer Übertragung des Schulhauses an einen anderen Standort geht von daher am Gegenstand der Diskussion völlig vorbei. Es geht nicht isoliert um das Gebäude, sondern um das Bild unserer Ortsmitte. Und dazu gehören nun mal die historischen Gebäude wie das Salz in der Suppe.
Die „Freunde des Alten Schulhauses“ sind folglich keine „Gegner eines neuen Rathauses“. Wir sind sicher: den kommunikativen, sozialen und kulturellen Mittelpunkt, den sich Carsten zurecht wünscht, können wir in unserer Puchheimer Mitte verwirklichen. Das Schulhaus ist Kernelement davon. Über den Rest lasst uns diskutieren – bitte auch bald wieder mit Fachleuten aus dem Gebiet der Stadtplanung und der Architektur. Und darüber, dass wir sinnvolle Ergänzungen in einer „uns zeitgemäßen Form“ errichten sollten, müssen wir uns sicher nicht streiten. Unser Zentrum ist groß genug für uns alle. Und für das Alte Schulhaus.
Johannes Haslauer, Sprecher der "Freunde des Alten Schulhausfreunde"
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#8 18-08-2009 14:06:14
- Carsten
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- Registriert: 23-06-2009
- Beiträge: 7
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Wenn man etwas für die Zukunft bewahren möchte, dann muss man es weiterentwickeln. Das starre Festhalten an etwas (auch noch so liebevollen) „Überkommenen“ führt nur dazu, dass dieses untergeht.
Mein Vorschlag, das „Alte Schulhaus“ im Bereich des Ortskerns zu verlagern, wenn dessen bisheriger Platz für das Neue Rathaus benötigt wird, ist der Versuch, das „Alte Schulhaus“ für diejenigen zu retten, die daran emotional festhalten wollen (und aus innerer Haltung wohl auch müssen).
Das Neue Rathaus wird mit Sicherheit kein architektonisches Horrorgebäude, wenn der Gemeinderat klare bauliche Vorgaben erstellt, die sich in den Ergebnissen eines zukünftigen Architektenwettbewerbs widerspiegeln.
Im Gegenteil, ein zeitgemäßer und selbstverständlich maßstäblicher Rathausbau wird dann ein sogar ein Gewinn für das Bild der Ortsmitte werden. Zu dieser Erkenntnis muss man aber dafür auch im Herzen offen sein.
Ich gehe aus demokratischer Überzeugung davon aus, dass alle Bürger unserer Gemeinde ihren Beitrag zur Ortsmitteplanung leisten können und nicht nur „(pflegeleichte) Fachleute aus dem Gebiet der Stadtplanung und der Architektur“.
Carsten Wiebers
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#9 24-08-2009 22:40:12
- Johannes Haslauer
- Mitglied
- Registriert: 19-07-2009
- Beiträge: 4
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
Ja, manches muss man weiterentwickeln, um es für die Zukunft fit zu machen. Aber: Die Weiterentwicklung darf das Bewahrenswerte nicht zerstören. Wir haben am Grünen Markt ein gewachsenes und maßstäbliches Ortsbild, das großes Zukunftspotential darstellt. Das sollten wir nutzen und sensibel weiterentwickeln. Das Schulhaus ist an seinem angestammten Platz kein Problem, sondern eine Chance.
Die nötigen Veränderungen können (und sollten!) in Form von zeitgemäßen und maßstäblichen Erweiterungsbauten, Nutzungsänderungen, einer neuen und einheitlichen Platzgestaltung, einer verträglichen energetischen Sanierung des Altbaus und der Gestaltung barrierefreier Zugänge stattfinden.
Diesen Gesamtkomplex aus Alt und Neu kann man dann prima für Kommunalverwaltung, Kultur, Bildung und soziales Leben nutzen. Das wäre ein großer Gewinn für den Ort. Darüber würden wir Schulhausfreunde uns aus tiefstem Herzen freuen. Und dafür gibt es andernorts viele gute Beispiele.
In unserer rechtsstaatlichen Demokratie ist es Grundsatz, möglichst alle wichtigen Güter und Interessen bei einer Entscheidung zu berücksichtigen. Beim Erhalt des baukulturellen Erbes und der überlieferten Ortsbilder geht es um ein grundlegendes gesamtgesellschaftliches Anliegen von Bedeutung für uns alle.
Gemeinderat und Bürgermeister haben jetzt die große und reizvolle Chance, eine konsensfähige und zugleich inhaltlich überzeugende Lösung herbeizuführen. Dass alle Bürger ihren Beitrag zur Ortsmitteplanung leisten können, ist auch unsere Überzeugung. Aus diesem Grund haben wir uns als Gruppierung gegründet und engagieren uns.
Die Gemeindevertreter könnten gute Arbeit leisten, indem sie beispielsweise einen Katalog mit den Raumansprüchen, Bedürfnissen und Vorstellungen der betroffenen Institutionen, der Gemeinde selbst sowie der Bürger zu einem Katalog zusammenstellen. Dieser Katalog könnte dann als Grundlage für einen städtebaulichen Wettbewerb dienen.
Johannes Haslauer, Sprecher der „Freunde des Alten Schulhauses Puchheim-Bahnhof“
P.S.: Hoffentlich lesen ein paar Gemeinderäte diese Diskussion mit, sonst ist sie ja fast vergebliche Liebesmüh! Zumindest hoffe ich, dass Herr Wiebers die Argumente im Ortsvorstand der SPD gewissenhaft vorträgt, dem er ja angehört.
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#10 24-10-2010 10:27:52
- jeanmarie
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- Beiträge: 21
Re: Altes Schulhaus - Erhaltenswert oder überflüssig?
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